Karpfenweiherlauf: Ein Genusslauf im Genussort Möhrendorf

Das Halbmarathon Siegerpodest der Männer beim Karpfenweiherlauf in Möhrendorf mit Markus-Kristan Siegler (1.), Sebastian Fahsold (2. li) und Thomas Josnik (3. re)

Bayerische Laufzeitung, 22. September 2019

Von Erwin Fladerer und Rosi Ober

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Karpfenweiherlauf: Ein Genusslauf im Genussort Möhrendorf

Möhrendorf – Nicht „Karottencity“, oder doch? Wir sehen weder Möhren noch Karotten, sondern ein an der A73 Nürnberg-Bamberg gelegenes Dorf bei Erlangen mit eigener Ausfahrt, 5000 Einwohnern und tausendjähriger Geschichte. Die sandigen Böden rund um die Gemeinde Möhrendorf eignen sich bestens für den Anbau von exquisitem Spargel. Allerdings ist der Genussort in Mittelfranken auch für die Aufzucht von Spiegelkarpfen berühmt. Und für delikate Wurst- und Fleisch-Spezialitäten, die von vier örtlichen Metzgereien angeboten werden. Der „Dorfmetzger“ Jürgen Reck ist sogar Europameister und bestens bekannt für seine ausgezeichneten Bratwürste. Im Dorf ist Ursprünglichkeit und landschaftliche Idylle angesagt. Ein Stück weiter auf der Hochebene von Möhrendorf liegen die Karpfenweiher, immer von Kiefernwäldern eingerahmt. Sie sind der Schau- und Laufplatz der Veranstaltung – des 3. Karpfenweiherlaufes. 

Der Cheforganisator Gerhard Müller voraus

Bürgermeister und Metzgermeister waren die Urheber des Laufes

Wie kam es dazu, diesen in der Bezeichnung einmaligen Lauf hier auszurichten? Und das sollte, wie man meinen könnte, Gerhard Müller sein. Dass der umtriebige und vielseitige Erfolgssportler dabei eine wichtige Rolle spielen sollte, war klar. Vor allem für Bürgermeister Thomas Fischer und Metzgermeister Jürgen Reck. Sie waren es, die einen Lauf in ihrem Dorf wollten. Das erfuhren wir im Vorfeld in einer Gesprächsrunde von Organisation und Helfern des Karpfenweiherlaufes beim Dorfmetzger und fränkischen Spezialitäten: Bier, Bratwürste und Sauerkraut. Auch sie sollten im Verlauf der Veranstaltung wichtige Begleiter sein. Doch nun zum Sportlichen. Da gab es für den Bürgermeister und den Metzgermeister nur einen im Dorf, der die Idee in die Tat umsetzen sollte:

Gerhard Müller, ein Sportler vom Scheitel bis zur Sohle

Und das ist er in vielen Sportarten. Der fitte 73-jährige hat nicht nur 42 Mal das Deutsche und das Bayerische Sportabzeichen erworben, sondern ist mit über 1600 Einsätzen immer noch aktiver Handballspieler. In erster Linie aber und mit vielen Erfolgen dekoriert in seinen 400 Wettkämpfen ist Müller als Triathlet. Schwimmen, Radfahren, Laufen. Die Ausdauer hat ihn bis zum heutigen Tag geschult und bekannt gemacht. Er ist Mitglied im TDM Franken (Triathlon, Duathlon, Marathon), der mit Müller als Erster Vorstand 4 Medaillen bei Weltmeisterschaften, 12 bei Europa Meisterschaften, 82 bei Deutschen Meisterschaften und 55 bei Bayerischen Meisterschaften geholt hat. „Gregg“ Müller hat also die organisatorischen und sportlichen Fäden in der Hand bekommen. Doch sowohl der Bürgermeister als auch der Dorfmetzger haben sich damit nicht zurückgezogen, sondern sind mit ihm eine wichtige Einheit rund um den Karpfenweiherlauf.

Vorspann mit einem Vortrag über „Richtiges und gesundes Laufen“

Dr. Leonard Fraunberger als Sportmediziner, Vizepräsident des Bayerischen Sportärzteverbandes und Hawaii-Finisher auf der einen und Gerhard Müller auf der anderen Seite sprachen für die Teilnehmer ausnahmslos Themen für die Praxis an.

Und dann stürmten die Kinder los

„Wer Kinderläufe anbietet, hat auch die Eltern für den Laufsport schon gewonnen“, meinen wir. Und der Sport lehrt ungemein viel für das weitere Leben der Kinder. Wir sahen Mädchen und Buben, die Spaß am Lauf rund um die Karpfenweiher hatten. Und ihr Bestes gaben. Die Siegerinnen und Sieger entpuppten sich heute vielleicht schon als Nachfolger von „Gregg“ Müller. Als ausgezeichneter Mann für die Siegerehrung bewies sich Bürgermeister Thomas Fischer.

Läuferinnen und Läufer, Walkerinnen und Walker auf drei Distanzen – oder sogar mehr?

Gerhard Müller meinte es gut mit den Teilnehmern. Wollte ihnen und uns so viele Karpfenweiher in seiner geliebten Heimatlandschaft wie nur möglich zeigen. Schön und gut, doch manche Streckenabzweigung konnte nicht personell, sondern nur mit Hinweispfeilen besetzt werden. So gab es im Hin und Her und rundherum um die vielen Weiher einige „Verläufer“, und damit auch kritische Stimmen. Die allermeisten aber nahmen diesen Hobbylauf über wahlweise 6,1 km – 11km und Halbmarathon locker und als sehr willkommenen und abwechslungsreichen Lauf. Auch wenn so manche Rangliste, besonders im Hobbylauf auf den Kopf gestellt wurde. Und der eine oder andere mehr Kilometer als beabsichtigt gelaufen wurde. Ein herzlicher Empfang im Ziel, Nussschnecken vom DER BECK und Bratwürst vom Reck trösteten gleich wieder hinweg, zumal die ersten 100 Anmeldungen diese umsonst bekamen.

Deshalb richtet sich unser Vorschlag für die Zukunft und für eine weniger aufwändige Organisation mit einem Streckenangebot von 7 – 14 – 21 Kilometer auf einer sieben Kilometer langen Runde, die wahlweise einmal, zweimal oder dreimal belaufen werden kann. Damit gäbe es immer noch genügend Karpfenweiher zu sehen und zu belaufen.

Die Siegerliste

führten nicht nur in der Region bekannte Athleten der LG Erlangen an. Markus-Kristan Siegler gewann den Halbmarathon sehr souverän. Ebenso sein Vereinskollege Steffen Gertscher den 11-km-Lauf. Und der Karpfenweiherlauf wäre nicht der Original Karpfenweiherlauf, wenn nicht die Siegerin und der Sieger über 11 km und 21,1 km sowie die Schnellste und der Schnellste aus Möhrendorf ein Karpfenessen in der Fischküche Reck in Oberndorf gewonnen hätten.

IMBUS-Halbmarathon Männer/Frauen
Markus-Kristan Siegler (LG Erlangen) 1:27:11
Rebecca Reutzel (Team Schloss-Thurn) 1:53:15

SPARKASSEN Lauf 11 km Männer/Frauen
Steffen Gertscher LG Erlangen 42:36
Kirsten Herfurth 52:29

DORFMETZGER Reck Hobbylauf 6,1 km Männer/Frauen
Harald Dumdey 36:57
Fenja Bunse Roadrunner 46:17

DORFMETZGER Reck Nordic Walking 6,1 km Männer/Frauen
Ralf Pawelke 40:19
Hedwig Ballak 43:40

Ausblick auf den „Karpfenweiher-Trail“ 2020 – Ein Genusslauf im Genussort

Die landschaftlich wirklich besonders schönen wie einmaligen Strecken dürften auch als leichte Trailstrecken bezeichnet werden. Ein gewisser Unmut einiger Teilnehmer ob der manchmal undurchsichtigen Streckenverläufe sollten keine Einbußen an Teilnehmern nach sich ziehen. Der Ausrichter verspricht mit Sicherheit weitere Verbesserungen. In Bezug auf Preis und Leistung sind kleine Läufveranstaltungen (in diesem Fall knapp 300) besonders gefordert. Heutzutage obligatorische elektronische Zeitnahme mittels integrierten Chip verschlingt schon einen Großteil der persönlichen Startgebühr. Deshalb lohnt sich für die Kinderläufe das nicht, um nicht die beispielhaft geringen Teilnehmergebühren von Null bis 6 Euro für Kinder und Jugendliche anheben zu müssen. Der Lauf als solcher könnte grundsätzlich als Genusslauf verstanden werden – und das im Genussort Möhrendorf. Passt das nicht perfekt zusammen?