Hochfelln Berglauf ist auch ohne Weltcup Weltklasse – Grande Dame des Berglaufs gewinnt zum zehnten Mal

Die zehnfache Hochfelln Siegerin: Andrea Mayr

Bayerische Laufzeitung, 29. September 2019

Hochfelln Berglauf ist auch ohne Weltcup Weltklasse – Grande Dame des Berglaufs gewinnt zum zehnten Mal

Von Erwin Fladerer

Alle Informationen hier
Alle Ergebnisse hier
Eine Bildergalerie hier

Bergen – Was will man mehr? Der SC Bergen hat sowohl den regionalen als auch den internationalen Bergläufern einen Lauf auf den Hochfelln geboten, der es wieder einmal wert war, hierher in den Chiemgau zu kommen. Bei schönstem Herbstwetter präsentierte sich die bereits 46. Austragung am Hochfelln als knackiger Berglauf und persönliche Herausforderung für die einen, als Kreismeisterschaft Chiemgau/Inngau, und als Bewerb des Mountainrunning Grand Prix 2019 für die anderen. OK-Chef Dr. Jürgen Schmid hatte also alles gerichtet und freute sich bei der Begrüßung an der Talstation der Hochfellnbahn zusammen mit Bürgermeister Stefan Schneider über den guten Zuspruch und das traumhafte Wetter, das den Hochfelln Berglauf fast jedes Jahr begleitet. „So kann man jedes Jahr gerne nach Bergen fahren, auch wenn es in der langen Geschichte der Veranstaltung auch schon mal zwanzig Zentimeter Neuschnee gab“, meinte Georg Anfang. „Der Bibi“, wie er allerorts bekannt ist, zieht mit 83 Jahren noch so manche Fäden. Die Startnummernvergabe ist immer noch seine Sache, und für ihn immer der „Lottozettel des Jahres“. Dabei sind die einstelligen Nummern der Weltklasse vorbehalten, und zwar so wie der Bibi sie derzeit in der Reihenfolge sieht. Manchmal hat er dabei recht, ab und zu gibt es auch die eine oder andere Überraschung. Die Topform von „Großglockner König“ Filmon Abraham bewog den Bibi, ihm die Nummer 1 zu geben, noch vor dem derzeit international dominierenden Petro Mamo (2) und dem Sieger von 2017 Antonio Toninelli (3). 

Siegerehrung mit bayerischer Musik für Petro Mamo (Eritrea), Filmon Abraham (Eritrea) und Timotej Becan (Slowenien)

Doch es kam ein bischen anders. Petro Mamo (Eritrea) gewann auf der 8,9 Kilometer langen Strecke, bei der 1074 Höhenmeter zu überwinden sind, vor seinem Landsmann Filon Abraham, der sich für die LG Festina Rupertiwinkel startend als Chiemgaumeister schadlos halten konnte. Der Italiener Toninelli kam diesmal nicht so richtig in Tritt und wurde nur Neunter. Dafür überraschte mit Timontej Becan ein Slowene auf dem dritten Rang vor dem besten Tschechen Jan Janu, dem besten Polen und Dauerbrenner Andrzej Dlugosz, dem besten Österreicher Simon Lechleitner und dem besten Deutschen Jonas Lehmann (TuS Heltersberg). Platz 10 belegte der aktuelle Mountainbike Mastersweltmeister Silvio Weltschnig aus Österreich mit einer Zeit noch unter fünfzig Minuten, vor dem besten „Einheimischen“, dem erst 17-jährigen Felix Gramelsberger vom SC Ainring.

Bei den Damen durfte ein Jubiläum gefeiert werden. Keine geringere als Andrea Mayr (SV Schwechat/AUT) gewann hier bereits zum zehnten Mal. Herzlichen Glückwunsch! Die Grande Dame des Berglaufes und sechsfache Weltmeisterin konnte auch mit vierzig noch alle weiteren 47 gestarteten Damen hinter sich lassen, und wie! Zweite wurde Sintayehu Kibebo (Äthiopien) vor den Deutschen Sarah Kistner (MTV Kronberg) und Melanie Noll (TuS Heltersberg). Überschwengliche Freude zeigte Waltraud Berger. Die Chiemgaumeisterin von der TG Salzachtal hatte auch mit 49 Jahren noch eine Punktlandung in der Klassezeit 59:59 Minuten geschafft.

Traumhafter Siegerehrungsblick am Hochfelln auf den Chiemsee für Andrea Mayr (Österreich), Sintayehu Kibebo (Äthiopien) und Sarah Kistner (Deutschland)

Das Siegerpodest 2019:
Damen
1. Andrea Mayr 49:51
2. Sintayehu Kibebo 53:26
3. Sarah Kistner 54:18

Herren
1. Petro Mamo 43:41
2. Filmon Abraham 43:55
3. Tomotej Becan  44:57

Fazit des 46. Hochfelln Berglaufes

Er bot wieder einmal alles, was gute 250 Teilnehmer quittierten. Doch es könnten viel mehr sein. Die geballte Terminfülle im September/Oktober ist das eine, was das andere? Bergläufe wollen sich im Vergleich zu den Trails nicht als Event „verkaufen“. Mitunter ist eine gewisse „Mia san mia Mentalität“ zu erkennen. Was oftmals auch sein Gutes hat.  Als erfahrender Berglaufveranstalter lässt man sich nicht gerne dreinreden oder sogar von höheren Stellen befehlen, was z.B. die Preisgelder betrifft. Obwohl sich unterm Strich die Bergener mit allen großen Veranstaltern auch diesbezüglich messen können. Selbst wenn man deswegen und nach vielen Jahren gerade nicht im Weltcup mitmischt, hat der Hochfelln die Kontakte zu den weltbesten Läuferinnen und Läufern. Mamo gewinnt, Mayr gewinnt – die Weltklasse! Und von Zuschauern ist der Chiemgauer Hausberg ohnehin gut gesäumt, noch bei dem schon traditionell guten Wetter. Also ihr regionalen und internationalen Bergläufer: auf ein Wiedersehen beim 47. Int. Hochfelln Berglauf am 27. September 2020. Denn auch das macht einen guten Veranstalter aus, der den nächsten Termin schon bei der Siegerehrung des aktuellen Laufes nennt!