Ein strahlendes 40. Jubiläum: der Engadiner Sommerlauf 2019 glänzt mit Topstrecken, Sonne und Teilnehmerrekord

OK-Präsidentin Anne-Marie Flammersfeld mit der Siegerin im Verticalrun Flurina Eichholzer-Bott

Bayerische Laufzeitung, 19. August 2019

Von Erwin Fladerer und Rosi Ober

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Rennbericht Verticalrun von Claudia Vogt >Engadioner Sommerlauf 2019 Vertical Rennbericht

Rennbericht Sommerlauf von Claudia Vogt >Engadiner Sommerlauf 2019 Rennbericht

St. Moritz/Sils/Pontresina/Samedan.CH am 17./18. August 2019 – Klingende Namen wie Sils, Silvaplana, Pontresina oder St. Moritz – tiefblaue Seen und atemberaubende Berge – das ist die Schweiz, das ist das Engadin, das war der 40. Engadiner Sommerlauf: eine Topveranstaltung mit Topstrecken, Sonne und Teilnehmerrekord.

Angekommen auf fast 3000 Meter Höhe: der Sieger Felfele Tesfay

Der Vertical Sommerlauf

führt über die originale Skiweltmeisterschaft-Rennpiste der Herren-Abfahrt (inklusive des freien Falls) und ermöglicht den Teilnehmenden ein spezielles Erlebnis. Beim freien Fall handelt es sich um den steilsten Start aller Herrenskiabfahrten (45 Grad-Neigung). Im Winter stürzen sich die Abfahrer praktisch senkrecht in die Tiefe. Beim Vertical Sommerlauf gilt es die Strecke von St. Moritz Dorf bis zum Start der Herrenabfahrt über 5,5 Kilometer und rund 1000 Höhenmeter zu absolvieren. Als Leckerbissen macht die Plattform „freier Fall“ den Abschluss der Strecke und belohnt die Teilnehmenden nun zum dritten Mal mit einer herrlichen Aussicht über die Engadiner Berg- und Seenlandschaft, was doch glich die Anstrengung vergessen lässt. Zu Recht werden die Finisher mit Stolz erfüllt, die Herrenabfahrtspiste aus eigener Kraft vertikal erlaufen zu haben. Das gilt sowohl für die Sieger als auch für alle, die diese wohl einmalige Strecke meistern konnten, egal in welcher Zeit. 

OK-Präsidentin Anne-Marie Flammersfeld, selbst eine gute und erfahrene Berg- und Trailläuferin, war die Erste im Ziel, wenn auch nur probeweise und zur Vorbereitung zum Empfang der Athleten. Doch schon bald kam der Sieger Felfele Tesfay in einer Zeit von 45:17 Minuten auf das einmalige Plateau. Gerhard Schneider wurde Zweiter in 46:30 Minuten und der 17-jährige Gianluca Walpen Dritter in  47:43 Minuten. 15 Jahre jung ist der Vierte Niclas Steiger in 48:19 Minuten. Aus bayerischer Sicht glänzte Stephan Tassani-Prell als Gesamt 17. sowie der Extremsportler Stefan Schlett

Flurina Eichholzer-Bott kam in 51:07 Minuten zu ihrem zweiten Sieg, und das mit Streckenrekord. Zweite wurde Sandra Parpan (52 Jahre!) in 55:07 Minuten, Dritte Basilia Förster aus Neuried bei München in 56:44 Minuten. Auf dem vierten Platz wieder eine sehr junge Läuferin mit 16 Jahren: Marina Kählin in 56:55 Minuten.

Der Muragl Sommerlauf

wird zum 24. Mal ausgetragen und erfreut sich gerade bei den Frauen einer wachsenden Beliebtheit. Denn diesmal sind auf der nur leicht coupierten Strecke über 11,6 Kilometer von Pontresina über das Roseg-Tal und Celerina mit großartigen Ausblicken auf den Roseg-Gletscher und direkt vorbei an der San Gian Kirche mehr Frauen als Männer unterwegs, unter ihnen auch viele Walkerinnen.

Ich habe mich auch vorbereitet auf diesen Genusslauf, bin an diesem Morgen hellwach und fotografisch ausgerüstet. Die Sonne und der kühle Morgen tun ein Übriges. Beste Verhältnisse also, diese Strecke, diese Umgebung, diese Aussichten unter die Füße zu nehmen. Auch wenn ich nicht mehr so fit bin als bei meinem ersten Sommerlauf vor zwanzig Jahren – ich genieße es mehr als damals.  Damals hatten wir zusammen mit Hans-Jörg Pfäffli und Franz Späni und den Mitbewerbern aus Meran, Fondo, St. Wolfgang und meinem bayerischen Verein in Mettenheim den „Quadrifoglio“ gegründet. Vier Bewerbe in der Schweiz, in Österreich, Italien und in Deutschland sollten mit dem vierblättrigen Kleeblatt eine sportliche EU bilden. Den Quadrifoglio gibt es schon lange nicht mehr, den Engadiner Sommerlauf/CH, den Meraner Halbmarathon/I, den Lauf um den Wolfgangsee/A, die Ciaspolada in Fondo/I und den Mettenheimer Alleelauf/D immer noch. Schon auf dem ersten Kilometer treffe ich Dorina Riedi, die zum 40. Mal am Start ist. Den Sieg heute im Jahr 2019 tragen Tolossa Chengere in 37:49 Minuten bei den Männern und Ilaria Sabbatini in 43:30 Minuten bei den Frauen davon.  Dazu ein Foto für das Familienalbum der Näff`s: Papa Buolf Näff gewann mit seinen Söhnen Noe und Isai von der Sportklasse Ftan die Teamwertung. 

Der Sommerlauf, das Original über 25 Kilometer

Der Jubiläumslauf. Zu den Jubiläumssiegern im 40. Jahr wurden Sara Dossena (Laguna Running/ITA) in 1:27:39 Std. bei den Frauen und Benjamin Choquert (Nancy Athletisme Metropole/FRA) in 1:18:56 Std. gekürt. Sie hatten auf der mit Traumnoten dekorierten Strecke von Sils nach Samedan, schon bald für klare Verhältnisse gesorgt und gewannen klar vor Helen Bekele Tola (1:30:55 Std.) und Felfele Tesfay (1:21:25 Std.) . Letzterer hatte ja am Vortag bereits den Verticalrun gewonnen. Damit war Tesfay nicht der einzige, der das Sommerlauf Wochenende im Engadin voll ausgenützt hatte.  Mehrere Läuferinnen und Läufer, die noch die 1000 Höhenmeter in den Beinen hatte, standen entweder am Start des Muragl- oder des Sommerlaufes am nächsten Tag.

Während sich bei den Frauen keine weiteren deutschen/bayerischen Teilnehmerinnen in den Top 10 klassieren konnten, schafften dies bei den Männern Erik Hille (LG Telis Finanz Regensburg/ 1:24:30 Std.) als Siebter und Lorenz Baum (LAV Stadtwerke Tübingen/ 1:25:24 Std.) als Achter.

Jubiläumssieger Benjamin Choquert

Im Rahmen einer strahlenden Siegerehrung durch Speaker Adriano Iseppi und OK-Präsidentin Anne-Marie Flammersfeld wurden zunächst die Jubilare geehrt, die es fertig brachten, am gleichen Ort und zur selben Zeit gesund und fit genug zu sein, um beim Engadiner Sommerlauf dabei zu sein. Dorina Riedi aus St. Moritz, Martin Schäfli aus Pontresina und Walther Schaufelberg aus dem Raum Zürich schafften dies 40 Jahre ohne Unterbrechung. Ihnen galt verdientermaßen der Applaus, der sich anschließend zigmal wiederholte, als die Siegerinnen und Sieger overall und in den einzelnen Klassen auf das Podium geholt wurden. Letztlich auch für das Organisationskomittee, das diesen Beifall an alle 2600 Teilnehmer weitergab. „Denn ihr seid die Garanten, dass es hier mit dem Engadiner Sommerlauf am 15./16. August 2020 weitergeht“, so die OK-Präsidentin. Sie strahlte mit der Sonne und dem gut aufgelegten Publikum und den Ehrengästen schier um die Wette. Na dann, bis zum nächsten Jahr im Engadin. Wo sonst kann es schöner sein?

 

 

 

 

 

Jubiläumssiegerin Sara Dossena

40 Jahre Engadiner Sommerlauf: Früher und heute

1978 wurde in der Sportkommission der Gemeinde St. Moritz erstmalig darüber getagt, einen Sommersportanlass als Pendant zum Engadin Skimarathon anzubieten. Der Engadin Skimarathon war damals schon seit einigen Jahren erfolgreich als beliebter Wettkampf im Winter bekannt. Nun sollte also noch ein Highlight für den Sommer folgen.

Schnell war klar, dass die Strecke vom Engadin Skimarathon als Idee für den Wettkampf im Sommer dienen sollte, natürlich mit der Ausnahme, über die Wanderwege statt über die Loipen zu laufen. Und somit wurde mit Sils schnell ein Startort gefunden. Da die Strecke 27 Kilometer lang sein sollte, wurde auch mit Bever sogleich ein passender Zielort gefunden.

Mittlerweile wurde die Strecke ein paar Mal angepasst, so dass nun alle Oberengadiner Gemeinden zwischen Sils und Samedan am Geschehen beteiligt sind. Zudem wurde die Strecke so gestaltet, dass sechs Seen passiert werden, was für die Teilnehmenden ein besonderes Highlight ist. Damals gab es auch noch steilere Anstiege, wie beispielsweise bei Muralgs. Oder aber die gefürchtete Piste am Flughafen, auf der so manche Krise bearbeitet wurde.

In der ersten Austragung waren immerhin fast 240 Teilnehmende am Start. Heute sind wir mit unseren verschiedenen Disziplinen zu einem beliebten Familienanlass geworden und zählen gute 2400 Teilnehmende. Das Kids-Race hat sich ganz besonders gut entwickelt. War es damals nur ein einfacher Lauf über eine Wiese, so dürfen sich die Kleinsten  heute in einem Parcours und die Grösseren über längere Strecken messen. Der Zielort Bever ist mit dieser Teilnehmerzahl vor ein paar Jahren fast aus allen Nähten geplatzt, weshalb wir froh waren mit der neu gebauten Promulins Arena in Samedan einen Standort zu finden, der genügend Platz hat. Mit dem Murgal-Lauf, der auch schon seit 24 Jahren als eine beliebte Kurzlaufstrecke im Programm mit dabei ist, wird auch das schöne Rosegtal mit den Gletschern rund um Pontresina und dem Berninamassiv eingebunden.

Das OK-Team des Engadiner Sommerlaufes

Und für alle, die es steil und kurz mögen, bieten wir nun im 3. Jahr den Vertical Sommerlauf mit Start in St. Moritz an. Hier kann man die Skipiste im Schnelldurchgang nach oben laufen und dabei 5,5 Kilometer und 1000 Höhenmeter zurücklegen. Der Rücktransport erfolgt dann ganz gemütlich mit den Bergbahnen der Engadin Mountains. Wir können auf die Entwicklung des Engadiner Sommerlaufs wirklich stolz sein und danken allen, die sich in den letzten 40 Jahren für das grösste Sommersportevent im Engadin stark gemacht und es in welcher Weise auch immer grosszügig unterstützt haben! Eine entscheidende Frage bleibt aber nun für Euch Leserinnen und Leser offen: Warum war die Strecke damals 27 Kilometer lang? Was haben sich die Initianten aus der Sportkommission anno dazumal dabei gedacht?
Quelle: Engadiner Sommerlauf 

v.l.n.r.: Anne-Marie Flammersfeld, Martin Schäfli, Dorina Riedi und Walther Schaufelberg

Jeden Sommerlauf mitgemacht:
Unsere drei Jubilare berichten über ihre Erlebnisse

Im Jahr 1979 wurde der Engadiner Sommerlauf gegründet und findet seitdem immer am 3. Wochenende im August statt. Dieses Datum wird bei drei Personen seit nunmehr 40 Jahren rot im Kalender notiert, bis heute haben sie nicht eine Austragung des Engadiner Sommerlaufs verpasst! Das muss man sich in unserer heutigen schnelllebigen Zeit mal überlegen. 40 Jahre sind eine lange Zeit und dass man an genau diesem Datum immer gesund ist und auch nichts anderes geplant hat, das ist schon bemerkenswert.

Dorina Riedi aus St. Moritz, Martin Schäfli aus Pontresina und Walther Schaufelberg aus dem Raum Zürich können stolz von sich behaupten, an jedem Engadiner Sommerlauf teilgenommen zu haben. In einem Punkt sind sich dabei alle einig: die wunderschöne Landschaft sei einfach das Highlight! Dorina Riedi erinnert sich auch daran, dass das Wetter immer schön gewesen sei. Auch wenn es am Morgen manchmal noch eiskalt und leichter Frost den Boden gefroren hätte, spätestens zum Start um 10:00 Uhr hätte die Sonne Wärme ins Tal gebracht und die Wolken vertrieben.  Bei der ersten Austragung waren auch nur 27 Frauen am Start, resümiert Dorina weiter.

Die damals noch 27 Kilometer lange Strecke von Sils nach Bever wurde von allen Drei in unterschiedlichen Zeiten bewältigt. Auf der Flughafenpiste sei jedoch immer die Krise gekommen. «Der Kirchturm von Bever war immer ein Anhaltspunkt. Jedoch kam dieser nie näher, weil die Strecke in einer Kurve in Richtung Bever führte», erinnert sich Walther Schaufelberg. Heute sei die Streckenführung mit Anpassung über die San Gian Wiesen in Celerina und Ziel in Samedan viel schöner. Für Martin Schäfli war der Sommerlauf ein idealer Test-Wettkampf für weitere Marathons im Herbst. Und hier war er dann auch sehr schnell unterwegs: Seine Bestzeit beim Marathon beträgt 2 Stunden 38 Minuten! Aber auch Dorina nutze das Engadin als Trainingsparadies für den New York Marathon, den sie in 3 Stunden 15 Minuten lief. Als kleinen Nebensatz möchte ich hier anfügen, dass sie damals 50 Jahre alt war.

Laufen hält gesund, jung und munter, da sind sich alle einig. Beim Laufen kann man den Kopf lüften, Probleme lösen und „irgendwie ist nachher immer alles anders“, ergänzt Walter mit einem lachenden Gesicht. Laufen hat immer etwas Positives und lässt die Glückshormone tanzen.

Aus deutscher und bayerischer Sicht

Würden wir diese Veranstaltung gerne noch viel mehr Läuferinnen und Läufern, Walkerinnen und Walkern empfehlen. So schön ist die Schweiz, so schön das Engadin. Wären nicht die für unsere Verhältnisse teuren Preise. Was kann der Veranstalter noch tun? Wie kann ich mir das leisten? Statt für einen großen oft nichts sagenden Urlaub eine Woche die Schweiz genießen? Mit zwei, drei Veranstaltungen zum Mitmachen, zum Erleben, zum Genießen.

Zwischen dem kleinen Unterengadiner Sommerlauf in Scuol (5,2 km/18 km/14 km Walking/Kids Cross) und dem großen Engadiner Sommerlauf (5 km Vertical/11,6 km/ 25 km/ Kids Race) liegt auf einer Strecke von einer knappen Stunde nur eine Woche. Vielleicht kannst Du das für 2020 und/oder folgende planen?

Gesichtet…

Arne Gabius

Deutschland`s bester Marathonläufer (TherapieReha Bottwartal ) schätzt die Schweiz und kennt sein erfolgreiches Höhentraining in St. Moritz. Diesmal hat er Pontresina als mehrwöchigen Aufenthaltsort gewählt, um auf diesen Strecken für seinen Marathon Höhepunkt in diesem Jahr zu trainieren. Wir treffen den deutschen Rekordhalter im Marathon (2:08:33 Std.) in der Promulins Arena in Samedan. Gabius wartet dort mit Söhnchen Frederik auf die Mama Anne, die noch auf der 25 Kilometer Strecke unterwegs ist. Der Arzt wird anschließend noch einen Trainingslauf auf den von ihm favorisierten Trails um Pontresina einschieben, 200 Kilometer ist das derzeitige Wochenpensum, um sich für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio zu qualifizieren und beim New York Marathon im November 2019 eine Topzeit abzuliefern.

Stefanie Doll

Die Wahlbayerin und gebürtige Schwarzwälderin gewann den Sommerlauf 2018 und lief als Titelverteidigerin diesmal exakt die gleiche Zeit. Die beste deutsche/bayerische Leistung reichte für den vierten Platz über 25 Kilometer.

Im Sporthotel Pontresina

treffen sich Sportler wie Du und Ich. „Ein Hotel, das bewegt“, titelt die Hausbroschüre. Und der Besucher spürt das auf Schritt und Tritt: Natur und Nachhaltigkeit, Wellness und Fitness. Sogar um die Sportlerwäsche kümmert man sich, kostenlos. Und noch eins: der Start des Engadiner Muragl- Sommerlaufes befindet sich direkt vor der Haustür.

Bellavista Erlebnisbad und Spa

Das Bade- und Wellnessvergnügen inmitten der Engadiner Bergwelt für die perfekte Entspannung vor und nach dem Wettkampf. Es lohnt sich also nochmal ins Engadin zu kommen. Denn dafür erhielt ich in meinen Startunterlagen einen Gutschein „2 für 1“, der bis 20. Dezember 2019 gültig ist.