12 Stunden Laufsport rund um das Wasserschloss – Von Kinderläufen bis 6-Stundenlauf beim SV Schwindegg

Die Sieger des 6h-Laufes (v.l. Bernhard Munz (2.), Andreas Seider (1.) Matthias Betzler (3.) bei den Männern mit Günther Weitzer

Von Erwin Fladerer
Alle Informationen hier
Alle Ergebnisse hier 
Eine Bilderauswahl hier

28. Juli 2018 – Eine Megaveranstaltung hat der SV Schwindegg an diesem heißen Tag im Juli 2018  gestemmt. 12 Stunden Laufsport am Stück rund um das bekannte Wasserschloss im oberbayerischen Schwindegg, eine knappe Stunde östlich von München entfernt. Der Sportverein feierte an diesem Tag sein Sommerfest, die Läufer sind Deutschland weit bekannt als die Ultralauf Hochburg mit vielen Meistertiteln. Hier ist der Ultralauf Stützpunkt Bayern daheim und mit Günther Weitzer der Präsident der DUV (Deutsche Ultra Marathon Vereinigung). Deshalb waren die Akteure nicht nur aus der Region, sondern aus ganz Deutschland hierher angereist, jene vornehmlich wegen  des DUV-Wertungslaufes im 6-Stundenlauf. Und sowohl beim Kinderlauf, als auch beim Hobby- und Schlosslauf kamen die Läuferinnen und Läufer aus der Region voll auf ihre Kosten.

Nach der wunderbaren Premiere des 6h-Laufes im letzten Jahr integrierte man diesen in den schon traditionellen Schlosslauf. Die Ultraläufer standen also am Anfang dieser Mammutveranstaltung, die über 12 Stunden Laufsport bot. Sicher wäre es aus der Sicht der Teilnehmer besser gewesen, die sechs Stunden bereits am frühen Morgen zu starten, organisatorische Gründe aber sprachen dagegen. So knallte den Ultras zwischen 10 und 16 Uhr über sechs Stunden die Sonne ins Gesicht. Der 2,3 Kilometer-Rundkurs bot dazu nur einige Schattenstellen. Doch sie sind hart im Nehmen und gewohnt bei allen Witterungsbedingungen ihrem Sport zu fröhnen – die Ultraläufer. Deshalb gab es es Gott sei Dank auch keine gesundheitlichen Zwischenfälle. Lediglich eine Zuschauerin fand sich kurzzeitig im Rettungswagen wieder. 

Ultraläufer/innen – was sind das für besondere Sportler?
Ist der Ultralauf nicht die reinste Art des Laufens, frage ich mich, als ich sie auf dem Rundkurs sah. Sie, die Ultraläufer streifen das ganze Jahr über gemächlichen Schrittes durch Wälder und Fluren, über Wiesen und viele tausend Kilometer auch über Straßen, unentwegt und zuweilen auch im Gehschritt. Ich kenne das Gefühl nicht, nach 66 Marathonläufen habe ich keinen Meter über die Distanz von 42,195 Kilometer gewagt. Ich versuche das Gefühl als Zuschauer, Fotograf und Staffelteilnehmer zu ergründen, was sie bewegt, derart lange Distanzen hinter sich zu lassen. Stunde um Stunde komme ich mehr hinter die vielfältigen Gedanken dieser Spezies. Ich bin der Überzeugung, dass sie die Läufer mit der größten Zufriedenheit, der inneren Ausgeglichenheit und Ruhe sind. Obwohl sie scheinbar die größten Ansprüche an ihren Körper stellen, die größeren Qualen erleiden. Sie begnügen sich nicht mit einem 400-Meter-Oval im Stadion, obwohl der Start gleich mit einem forschen Tempo von Stefan Heigl (LG Mettenheim) begann. Doch eine Verletzung aus dem Maintal Ultra vor erst zwei Wochen bereitete ihm folglich Probleme. Heigl stieg aus, der Weg für den Routinier Bernhard Munz schien für den Sieg frei.

Mariia Oprits – die strahlende Siegerin

Andreas Seider ist der lokale Held des Tages
Doch da war noch ein anderer. Der Lokalmatador Andreas Seider pirschte sich Runde um Runde heran, übernahm schließlich die Führung und gab sie bis zur Schlusssirene nach sechs Stunden nicht ab. Er wurde zum umjubelten Held des Tages. Denn nach Christian Jakob, Rainer Leyendecker & Co haben die Schwindegger Ultras jetzt einen weiteren Siegläufer. Ich schaue weiter in die Gesichter und auf die Körper der Athleten. Es sind nicht alles hagere Typen, sie sehen nicht alle durchtrainiert, gar gestählt aus. Sie sind es aber im Ganzen, denn der Kopf, die Psyche macht einen nicht unwesentlichen Teil des Ultraläufers aus. Bernhard Munz kennt man, erfolgreich und mit allen Wassern gewaschen. Er trinkt auch schon mal ein Bier (bestimmt alkoholfrei?) in seinen Pausen. Da entdecke ich einen Matthias Betzler, der mit über 60 Jahren flott  wie ein Junger und ausdauern leicht wie ein Profi läuft – und schließlich auf den dritten Gesamtplatz.

Mariia Opritz läuft Klasse
Von Stunde zu Stunde kristallisierte sich ein junge dynamisch laufende Mariia Oprits heraus, kein bischen schwerfällig auch nach fünf und sechs Stunden nicht. Sie gewinnt schließlich klar bei den Frauen.

60 Jahre – und kein bischen müde: Theo Huhnholt

Theo Huhnholt macht seinen Geburtstags Marathon
Einen Tag nach seinem 60. Geburtstag, den er mit Freunden -lang- feierte, stand er schon wieder an der Laufstrecke. Theo Huhnholt (LC Bayern/SV Schwindegg) wollte seinen Jubeltag natürlich auch läuferisch feiern.Auch wenn er etwas angeschlagen war/ist, dieser Lauf mußte es sein – zu seinem 60. Es war sein insgesamt 310. Marathon/Ultra. Und viele weitere sollen noch folgen…

Neues Staffelangebot nicht angenommen
Na klar, nicht jeder kann sechs Stunden alleine am Stück laufen. Deswegen hat sich der Veranstalter das neue Angebot einer Staffelformation ausgedacht. Vier Läufer/innen teilen sich die sechs Stunden. Alles machbar meint man und interessant obendrein, wie ich auch finde. Doch das Angebot wurde mit lediglich drei Staffeln nicht angenommen. Schade – und dennoch hatten die teilnehmenden Staffeln neben der Leistung einen riesigen Spaß. Das merkte man besonderst stark beim Team der Sportpolice. Michael Schramm hatte sich drei Frauen für diesen Spaß ins Team geholt – und alle waren glücklich.

Die Schlosslauf Siegerin 2018: Anita Hetz

Schlosslauf über zwei Distanzen
Eigentlich wie immer und dennoch wieder etwas Besonderes. Denn als Erster über den langen und schwierigeren Schlosslaufparcour über 11,9 km lief Christian Jakob ein. Die sächsische Frohnatur und Mitglied des Schwindegger Ultrateams war darüber auch sehr glücklich. Ebenso die Siegerin Anita Hetz (Team Eicherloh), die vor ihrer Freundin Petra Pommer (DJK-SV Oberndorf) zwischen Wasserschloss und Schule einlief. Auf der kurzen Schlosslaufdistanz von 5,25 km waren Richard Vogelsang (TSG Markkleeberg) in 18:26 Minuten bei den Männern und Anna Christin Fischer in 20:06 Minuten bei den Frauen nicht zu schlagen. Auf der gleichen Strecke fochten auch die Walker um Anerkennung und ihre Plätze. Andreas Wassatsch und Margot Niedl hatten erwartungsgemäß den besten Stil und die schnellste Zeit erreicht.

Fortsetzung folgt