1. Brauereienlauf mit viel Licht und ein wenig Schatten – eine oberfränkische Erfolgsgeschichte?

Von Erwin Fladerer und Rosi Ober

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Litzendorf, 29. September 2018 –  Die Fränkische Toskana hatte bei Bilderbuchwetter ihr schönstes Gesicht gezeigt. Viele Läuferinnen und Läufer, Bierliebhaber und Reiselustige aus ganz Deutschland waren gespannt auf den ersten Brauereienlauf in Oberfranken. Hier wo die Braukultur dahoam ist und die Region weltweit die größte Brauereidichte besitzt, jawohl! Wo sonst, wenn nicht hier sollte diese Premiere stattfinden. Doch wo ist Litzendorf, Strullendorf, Schammelsdorf, Wernsdorf und Gundelsheim? Die Teilnehmer wissen es jetzt ganz genau, denn sie durchliefen diese Dörfer mit ihren Biergärten, lernten dabei Land und Leute kennen. Der Landrat  Johann Kalb markierte sein Gebiet genau – hier ist der Landkreis Bamberg. Und zumindest die von weiter angereisten Sportler, die sogar bis aus Holland kamen, versäumten es nicht auch dem Weltkulturerbe einen Besuch abzustatten. „Wer nichts wagt, der nichts gewinnt“, so Judith und Tobias Heinze vom Veranstalter Tricamp GmbH. 

So tischten uns die beiden Lauf- und Triathlon erfahrenen Athleten zusammen mit der Tourist-Info Fränkische Toskana mit Sitz in Litzendorf touristische Leckerbissen auf. Alle Strecken von 10 Kilometer über die Halbmarathondistanz bis zum Marathon zeigten den Athleten die wunderschöne Gegend der Fränkischen Toskana mit ihren Bewohnern. Denn auch sie machten mit, feuerten uns an und luden uns in ihre Wirtsstuben und Biergärten ein, durch die wir hindurchlaufen durften – eine ganz besondere Sache. Dabei wehte uns der Duft von Hopfen und Malz und der fränkischen Esskultur nicht nur geradezu um die Nase. Wir waren immer eingeladen, uns ein Schluck des edlen Gerstensaftes oder eine kleine Brotzeit auf den Weg mitzunehmen. Denn dieser Weg war oftmals genauso kräftezehrend hügelig wie wunderschön. Ein neuer Franken-Trail, ein Brauereien-Trail war hier jetzt gerade geboren.

 

Brauereien boten ihre Erzeugnisse an

Eine Kopie des Medoc Marathon?
Davon kann man nur von der Idee her sprechen, und so manche Teilnehmer zeigten sich in Medoc-Shirts. Erwarteten sie vielleicht auch eine fränkische Weindegustion? Hier in der Biermetropole?  Der 1. Brauereienlauf hatte seine eigene Handschrift mit natürlich vielen Brauereien und Bieren, mit Kloß und Soß und ganz viel Kontakt zu den Bewohnern. Ganz besonders gut gelungen fanden wir die Belohnung im Ziel mit einem Bierkrug dieser Premiere – schöner und wertvoller als jede Medaille.

Organisatorische Panne beim Halbmarathon
Judith und Tobias mit ihrer Helferschar hatten auch organisatorisch was drauf. Das können sie auch mit und bei ihren Triathloncamps und dergleichen. Dass jedoch ausgerechnet in diesem Bereich eine Panne passieren musste, ist gerade für sie schier untröstlich. Die Halbmarathonis waren stinksauer. Und das zurecht, denn durch eine falsche Streckenführung liefen manche bis zu 29 Kilometer. Besonders ärgerten sich die starken Läuferinnen und Läufer des PTSV Rosenheim. Sie wollten sich mit dieser Reise und dem Lauf den letzten Schliff für einen Herbstmarathon geben. Das aber war kontraproduktiv und höchst unbefriedigend, resmierte ihr Chef Toni Gröschl. Trösten muß er besonders Agnieszka Glomb. Die bayerische HM-Meisterin hätte nicht nur einen Sieg gelandet, sondern wäre mit Körper und Geist positiv geladen in ihren bevorstehenden Marathon gegangen. So aber ist alles anders. Da konnten selbst die Erfolge durch Michael Pritz bei den Männern und von Kristina Schollerer als Siegerin bei den Damen über 10 Kilometer sowie den Marathon-Staffelsieg in 2:58:17 Std. seiner Nachwuchsläufer nicht hinweg helfen. Er konzentriert sich jetzt auf die eigene Veranstaltung des Simsseelaufes, der am 20. Oktober über die Bühne geht. 

Veranstalter Tobias Heinze und Moderator Carsten Wink entschuldigten sich im Rahmen der Siegerehrung für diese Panne. Demnach wurde auf der HM-Distanz auch keine Siegerehrung durchgeführt, sondern die Preise einer gemeinnützigen Organisation übergeben. Für den PTSV Rosenheim, der mit 37 Leuten aus Oberbayern angereist war und damit stärkster Verein der Veranstaltung war, blieben auch nur drei Partyfässchen (15 Liter) Bier als Hauptpreis. Ein bischen wenig für eine so große Beteiligung bei einer Party, bei der Bier das Hauptthema ist, meinen wir.

Die sanften Hügel der Fränkischen Toskana

Start-Ziel-Sieg durch Carsten Stegner (139)

Sportliche Highlights
über die Trails der Fränkischen Toskana konnte man in Sachen Zeiten sowieso nicht erwarten. Doch einige sorgten für ein Aha-Erlebnis, die dem fachkundigen Zuschauer und Mitläufer nicht verborgen blieben. Dafür sorgte Carsten Stegner als Marathonsieger mit acht Minuten Vorsprung auf Robert Wilms. Wieviele Marathonsiege der gebürtige Oberfranke hat, konnten wir nicht nachzählen. Erfahrung von Kindesbeinen an bis zum heutigen Tag mit der Vorliebe und den größten Erfolgen im Ultralauf machen Carsten Stegner auch heute mit über 40 Jahren noch so stark, dass er auch diesen Marathon mit 500 Höhenmetern (manche GPS`zeigten sogar 580 HM) in wirklich guten 2:43:27 Std. eindrucksvoll gewann. Kerstin Hötte aus Bielefeld siegte in 3:24:34 Std. bei den Frauen. Für eine ganze Schar von gestandenen Ultraläufern war dieser Brauereien Marathon eine willkommene Sache. Unversehens lief ich auf große Gruppe mit T-Shirtträgern des Monschau Marathon, Mauerweglauf, Thüringenultra und Rennsteiglauf auf. Doch bald sah ich sie wieder von hinten.

Was für ein Bürgermeister, was für sportliche Toskana Runners
Für ein weiteres regionales Highlight sorgte Wolfgang Desel. Er ist Bürgermeister der Gemeinde Strullendorf und finishte den Marathon als 27. von 138 in 3:43:40 Std. Vermutlich ist er die hiesige (Bier) Verpflegung und die Hügel gewöhnt. Wer kennt einen sportlicheren Bürgermeister? Sein Kollege Wolfgang Möhrlein schnürte ebenfalls die Laufschuhe und ließ sich mit seinen Staffelkollegen der Fränkisch`Toaskana Runners im Ziel feiern. Neben gut aufgelegten Holländern, natürlich in Oranje, fielen die Gartenzwerge und ein starkes Leipziger Allerlei auf. Wer nach Kilometer 2 durch die Gaststätte Knoblach in Schammelsdorf lief, vermisste hier nicht den Braumeister Michael, sondern Bernd Knoblach. Der war wie Manuela Grübert im HM für die Brauerei unterwegs.

 

 

 

 

 

 

 

Da kommt auch der Spaß nicht zu kurz
Dass eine derartige sportliche Veranstaltung auch großen Spaß vermitteln kann, sah man bei vielen, sehr vielen Zieleinläufen. Da ließen es sich einige nicht nehmen, mit dem Bierkrug einzulaufen, wie z.B. Sven Peemöller (100 Marathon Club) und Tom Trautwein (Anti Alkoholfrei), der den Krug mit Inhalt 42 Kilometer trug. Die Lederhose, ob in Original oder in Stoff war natürlich beliebt. Adalbert Grudno vom FC Puchheim bei München lief in Original und wie es sich zum Festtag gehört auch in weißer Bluse – und das in 3:59 Stunden. Laufshirts mit „I love Bier“, der „Bierkönig“ oder mit Brauerschürze komplettierten den bunten Reigen. Applaus gab es ebenso für einige Seniorinnen, die sich nicht von ihrem täglichen Spaziergang abhalten ließen und mit ihrem Rollator durch Start und Ziel schoben.

Auch ein Blick in die Ergebnislisten geben zum Schmunzeln Anlass. Hier einige Beispiele: Die Zeiler Weinbergschnecken und „Bier und Korn bringt dich nach vorn“, das Allgäuer Botzeitmobil und das „Team Wadenkrampf Berlin“. Kontra gaben die „Teestube Gablingen“ und das Erdinger Alkoholfrei. Zwei Lauffreunde aus dem Landkreis Mühldorf a. Inn/Obb. waren von den „Verpflegungsständen“ so angetan, dass sie den Halbmarathon nicht wie üblich in 1:30 Std., sondern fast fünf Stunden genossen.

Einen Ausblick
wagten natürlich die sportlichen Bürgermeister von Litzendorf, Strullendorf und Memmelsdorf zusammen mit dem Landrat und Bianca Müller von der Touristinfo Fränkische Toskana. Sie sehen diese neue Veranstaltung als eine willkommene Ergänzung ihrer eigenen Aktivitäten, um diese Gegend, ihre Schönheiten und Besonderheiten noch viel mehr Besuchern zeigen zu können.

Auch wenn die Premiere von einer Orga-Panne überschattet war, wird es an Judith und Tobi Heinze von Tricamp liegen, für eine weitere Erfolgsgeschichte des Brauereienlaufes in Litzendorf in der Fränkischen Toskana zu sorgen. Die Idee steht und sie ist es wert, hier weiter zu machen mit einem ganz besonderen Stück bayerischer Laufgeschichte.

Das Orga-Team mit Judith und Tobias Heinze, Bgm. Möhrlein und Bianca Müller von der Touristinfo Fränkische Toskana

Wolfgang Desel – ein sportlicher Bürgermeister